Jahresmotto 2019 - HerzZeiten

Liebe Freundinnen und Freunde der Diakonie Herzogsägmühle,

das Jahresmotto "HerzZeiten", das über unserem Jubiläumsjahr 125 Jahre Herzogsägmühle stand, war uns ein guter Begleiter: es verknüpft ja den ersten Teil unseres Ortsnamens mit den Zeitläufen. Diese 125 Jahre Herzogsägmühle umfassen eine durchaus wechselvolle Zeitspanne.

In der ersten Phase stand die einfache, unmittelbare Zuwendung für Männer auf der Straße im Vordergrund. "Arbeit statt Almosen" war das Leitwort für die Gründerväter unserer Gemeinschaft. Im Dritten Reich kam das Herz in vielen Fällen abhanden – statt sinnstiftender Arbeit Zwangsarbeit, Vernachlässigung, Gleichgültigkeit gegenüber Deportationen und Suiziden.

In den 50er bis 70er Jahren erlebten wir einerseits die starke fachliche Differenzierung mit der Entstehung von Konzepten für Jugendhilfe, Behindertenhilfe, Sozialpsychiatrie und Suchtkrankenhilfe; andererseits dominierte aber der Zeitgeist mit seinen Rufen nach Anpassung, Gehorsam, Unterordnung – durchgesetzt auch mit Züchtigungen.

Erst seit den 80er Jahren können wir guten Gewissens sagen, dass die herzliche Zuwendung zum Einzelnen und die vorbehaltlose Annahme der Menschen die pädagogisch-therapeutische Arbeit dominierte. Deutlich verbesserte Personalschlüssel und die stetige Verbesserung der äußeren Rahmenbedingungen legten Zeugnis ab für einen starken Sozialstaat. Die Arbeit in den Betrieben und Häusern war mehr und mehr gekennzeichnet durch die Leidenschaft für Menschlichkeit, die aus einem mitfühlendem Herzen und einem mitdenkenden Kopf wachsen kann und soll.

Wir haben im abgelaufenen Jahr in vielfältiger Weise dieser Leidenschaft Ausdruck gegeben: Mit der Pflanzung von 125 Bäumen, mit der Spende von Osterkerzen für die Kirchengemeinden unserer Region, mit kulturellen und sportlichen Events, mit der Eröffnung unseres Gedenkortes, und mit zahlreichen Feiern. Im Mittelpunkt des Dorffestgottesdienstes stand auch wieder das Motto HerzZeiten, ein überdimensionales Herz wurde zusammengebaut – eine schöne, tiefe Symbolik.

Wir gehen in die kommenden Jahre voller Zuversicht. Solange es uns gelingt, Menschen für die Arbeit in und durch die Diakonie Herzogsägmühle zu begeistern, werden wir erfolgreich ausbilden, therapieren, erziehen, heilen, beraten und begleiten können. Dass wir dabei immer neuen Herausforderungen begegnen werden – durch Gesetzesänderungen, durch gesellschaftliche und sozialpolitische Entwicklungen und durch individuelle Notlagen, liegt auf der Hand.

Das Jahresmotto 2020 "Perspektiven verändern" soll uns ein Leitfaden sein: Die Veränderung der eigenen Sichtweise ermöglicht oft tieferes Verstehen – und schafft damit sowohl die Grundlage für zeitgemäße Pädagogik wie für intelligente Unternehmensentwicklung. Dass Sie uns dabei gedanklich, im Gebet und tatkräftig begleiten, darauf hofft

Ihr

Wilfried Knorr,
Geschäftsführer der Diakonie Herzogsägmühle