Jahresbericht 2019

Menschen in besonderen Lebenslagen

MENSCH. MACHT. HEIMAT. - Eine Ausstellung berührt!

Vor uns sitzen junge Menschen die mit ihrer Klasse aus verschiedenen Schulen im südlichen Bayern zur interaktiven Ausstellung Mensch. Macht. Heimat. gekommen sind. Wir begrüßen die jungen Teilnehmenden und wollen Gespräche um die großen Themen "Welt, Migration, Globalisierung und Gerechtigkeit" initiieren. Die Gefühle dabei sind vielfältig - die Sorge über die Klimakrise ist groß, ebenso die Wut darüber, dass es so oft nur ums Geld geht und Menschen in Konkurrenz zueinander stehen, anstatt miteinander zu kooperieren. Auch die gesellschaftliche Isolation und die Angst, den Erwartungen des Umfelds nicht standhalten zu können, sind Themen, die immer wieder aus den Antworten herauszuhören sind. Daneben steht jedoch auch die Freude darüber, auf dieser Welt so vieles entdecken zu können und die Dankbarkeit für das, was man hat.

In der politischen Bildungsarbeit, wie in unserem Projekt Mensch. Macht. Heimat. , könnte man meinen, dass es nicht um Gefühle geht. "Politik", das verknüpfen viele mit Fakten und rationalen Entscheidungen und unter "Bildung" verstehen viele eher eine Wissensvermittlung als das Sprechen über Gefühle. Und doch sind diese Momente, in welchen aus dem Herzen gesprochen wird, oft so viel kraftvoller als bloße Fakten. Und sie sind wichtig, um sich als Teil des großen Ganzen zu verstehen.

Wenn wir bei der Station "Gerechtigkeit" die Frage stellen: "Wo in der Gesellschaft empfindest du Ungerechtigkeit?" fällt es den meisten jungen Menschen leicht, ein Beispiel zu finden. Meist entsteht ein unangenehmes Gefühl im Bauch, wenn klar wird, dass es nicht respektvoll zugeht. Oder, wenn einem bewusst wird, dass man selbst seinen Teil zu Ungerechtigkeit in der Welt beiträgt. Aber: Dadurch entwickelt sich auch der Wunsch, Dinge verändern und die Gesellschaft mitgestalten zu wollen.

Zum Abschluss der Ausstellung stehen Porträts im Fokus, welche Menschen vorstellen, die bereits in Projekten, Gruppen, oder Vereinen aktiv sind und durch ihr Engagement einen bedeutsamen Teil von gesellschaftlicher Veränderung leben. Sie beschreiben in Steckbriefen, was genau sie zu ihrem Engagement motiviert und was sie mit ihrem Einsatz erreichen wollen. Dabei wird deutlich: Herz, Empathie, eigene Erlebnisse und Emotionen sind wichtige Triebkräfte des Handelns.

"Wir müssen nur lernen, unseren Gefühlen und Intuitionen zu vertrauen und so brauchen wir vielleicht nicht mehr zu viele statische, trockene und kalte Regeln. Dann wäre die Welt viel besser, gerechter und harmonischer", meint beispielsweise Eyass, der sich in der Jugendarbeit und für geflüchtete Kinder einsetzt.

Klar ist: Es geht nicht um ein Entweder-Oder, nicht um den Gegensatz von Gefühlen oder Regeln. Das Fühlen und Erleben von Ungerechtigkeit kann sehr wütend machen. Die Wut über gesellschaftliche Ungleichverteilung von Ressourcen und Chancen, über die globalen Auswirkungen der Klimakrise oder darüber, dass sehr viele Menschen weltweit fliehen müssen, kann sich in den tiefen Wunsch nach einer gerechteren Gesellschaft umwandeln. Die Gefühle geben die Kraft, das Wissen um Handlungsoptionen gibt die Richtung vor: Beides spielt eine entscheidende Rolle für politische und gesellschaftliche Veränderung.

Die interaktive Ausstellung Mensch. Macht. Heimat. fand vom 4. bis 25. Juli im interkulturellen Treffpunkt (iku) in Peißenberg statt, um jungen Menschen die Themen Globalisierung, Migration, Gerechtigkeit und Beteiligung näher zu bringen. Mit einer Ausstellungsdokumentation der Sonderausstellung "Mensch Land Flucht" der Museen der Stadt Kempten mit Arbeiten von Veronika Dünßer-Yagci und Kees van Surksum, einer Vorstellung von jungen, engagierten Menschen sowie interaktiven Elementen bietet Mensch. Macht. Heimat. innovative Zugänge zu Bildung und gesellschaftspolitischem Engagement. Das Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds kofinanziert.