Jahresbericht 2019

Menschen in besonderen Lebenslagen

Hilfen für Flüchtlinge, Migration und Integration
Herzzeiten

Der Alltag in der Flüchtlingshilfe bleibt gezeichnet von großer Dynamik. Auch in 2019 sind wir weiter gewachsen und es hat sich Vieles getan:

Personal
Personell haben sich einige interne Verschiebungen ergeben; durch den Aufbau von Beratungsstellen (Flüchtlingsintegrationsberatung und Jugendmigrationsdienst in der Flüchtlingsarbeit in den Landkreisen WM/SOG als auch Starnberg (im Rahmen eines gemeinsamen Projekts mit der Inneren Mission) ist unsere Abteilung nochmals um 3,1 Stellenanteile gewachsen.

Darüber hinaus laufen auch Projekte mit Flüchtlingsbezug im Bereich a+i sowie in unserer Regionalstelle Landsberg unter dortiger fachlicher und disziplinarischer Führung.

Unterkunft
Trotz der belastenden Rahmenbedingungen klappt das Zusammenleben in der Unterkunft gut und es kommt unter den Bewohnern äußerst selten zu Konflikten. Diese können aber i.d.R. gut moderiert werden. Eine große Belastung stellte für das BewohnerInnen und die Mitarbeiter die Verlegung einer schwer psychisch kranken Frau dar, die zudem zu Selbst- und Fremdgefährdung tendierte.
Die Zusammenarbeit mit der Ausländerbehörde im Hinblick auf die Unterkunft läuft sehr gut.

Deutschkurs
Auch in diesem Jahr war unser Deutschkurs wieder sehr gefragt. Weitgehend analog zu den Schulferien fand in diesem Jahr unser Deutschkurs an ca. 180 Unterrichtstagen von 08:30 - 12:30 Uhr statt, an dem ca. 30 Schüler über das Jahr teilgenommen haben. Für unsere Zielgruppe gibt es eigentlich keine Alternativen zu unserem Sprachangebot, da die meisten unserer Teilnehmer zum einen im laufenden Asylverfahren bzw. im Klageverfahren gegen einen negativen Asylentscheid stehen und damit keinen Zugang zu Sprachangeboten haben – andererseits Unterrichtsangebote durch Ehrenamtliche kaum mehr vorhanden sind.

Projekt "Flüchtlingsarbeit im ländlichen Raum"
Ziel des Projekts ist es, Asylbewerber sowohl sprachlich als auch arbeitsmarktnah zu fördern im Rahmen von Coachings, Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen und Arbeitsgelegenheiten - und bei entsprechendem Potenzial in den ersten Arbeitsmarkt bzw. in Ausbildungen zu bringen. Dieses auf drei Jahre angelegte Projekt läuft zum 31.03.2020 aus. In Bezug auf unsere Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen stellten wir im Laufe des Jahres eine weiter zurückgehende Nachfrage fest, die hauptsächlich auf eine fehlende langfristige Perspektive des teilnehmenden Personenkreises zurückzuführen ist.

Erfreulicherweise wurden auch 2019 hier in Herzogsägmühle Ausbildungsplätze im Rahmen freier Kapazitäten für Asylbewerber mit Asylbewerbern besetzt, so dass mittlerweile mehrere Auszubildende im ersten, zweiten und dritten Lehrjahr eine berufliche Perspektive und damit Planungssicherheit finden konnten.
Auch unsere Berufsschule übernimmt große Anstrengungen, die Integration von geflüchteten Menschen durch schulische Bildung zu fördern: Täglich besuchen deutlich über 100 Menschen mit Fluchthintergrund die unterschiedlichen Schulangebote unserer Berufsschule.

Wow!
Das Projekt ist zum 01.10.2018 mit zwei Kollegen mit einem jeweiligen Stellenanteil von 0.5 gestartet. Es hat zum Ziel, Wohnraum für anerkannte Asylbewerber zu akquirieren, Kontakte zu Vermietern privater wie gewerblicher Art anzubahnen und Wohnkompetenzen zu vermitteln. Bis jetzt werden/wurden knapp 50 Klienten betreut und mittlerweile 13 Umzüge/Vermittlungen/Einzüge erreicht. Man kann sich vorstellen, dass es keine leichte Aufgabe ist, für die Zielgruppe anerkannte Asylbewerber auf dem sowieso angespannten Wohnungsmarkt passende Angebote zu finden!
Dieses auf drei Jahre angelegte Projekt ist für unseren Bereich strategisch von Bedeutung, da wir damit gleichzeitig ein Wohn-Netzwerk für unsere Hilfeberechtigten in der Verselbständigungsphase schaffen können.

Sport
2018 ist es uns nach zweijähriger Vorarbeit gelungen, das Fußball Projekt Herzogsägmühle International mit dem SV Herzogsägmühle zu verschmelzen. Seit Anfang des Jahres nehmen ca. 35 Spieler regelmäßig am Training teil. Die Trainingsgruppe setzt sich zusammen aus Bewohnern, Asylbewerbern, Mitarbeitern und Spielern aus Schongau.
Erfreulicherweise hat sich fast kein Spieler, der bereits in den letzten Jahren für den Verein gespielt hat, durch die Veränderungen abschrecken lassen. Man kann sogar ganz deutlich ein weiteres Zusammenwachsen des Teams feststellen.
Inzwischen ist die erste Mannschaft des SV Herzogsägmühle in die B-Klasse aufgestiegen und strebt mit hervorragenden Leistungen den nächsten Aufstieg an. Doch nicht nur der sportliche Erfolg auf dem Platz ist, was zählt:
Das faire und respektvolle Auftreten unserer Jungs ist ein Aushängeschild unserer Migrationsarbeit und darüber hinaus von Herzogsägmühle im Landkreis!

Übernahme von Beratungsstellen in den Landkreisen Weilheim-Schongau und Starnberg
Zum Jahresende 2018 hat im Landkreis Starnberg ein Träger die Verträge zur Flüchtlings- und Integrationsberatung mit dem dortigen Landkreis kurzfristig gekündigt. Als Folge dessen war zum Beginn des Jahres 2019 an sieben Standorten dort keine Beratung für geflüchtete Menschen mehr gegeben. Aus dieser Situation hat sich ein Gemeinschaftsprojekt im Landkreis Starnberg mit der Inneren Mission entwickelt, in dem zwei neue KollegInnen ihre Beratungstätigkeit an den Standorten Inning und Andechs aufgenommen haben.

Im Landkreis Weilheim-Schongau hat sich zudem die Diakonie Oberland teilweise aus der Beratungsarbeit für Flüchtlinge im Landkreis zurückgezogen.
Um diese Lücke zu füllen, sind wir nun mit drei KollegInnen an den Standorten Schongau, Peißenberg und Weilheim in der Flüchtlingsintegrationsberatung und dem Jugendmigrationsdienst aktiv.

Veranstaltungen
Anlässlich des 125-jährigen Bestehens von Herzogsägmühle wurde das seit 2016 traditionell am 03. Oktober ausgerichtete Fest der Einheit der Kulturen in diesem Jahr etwas üppiger geplant: Als zweitägiges Streetfood Festival mit 11 Essensständen/Food-Trucks und internen wie externen Anbietern – parallel zum traditionellen Mühlencup und dem Herbstflohmarkt. Insgesamt haben sich ca. 40 MitarbeiterInnen, Hilfeberechtigte und Asylbewerber bereit gefunden, bei der Ausrichtung dieses Festes zu unterstützen.
Ein solches Event zu planen, vorzubereiten, durchzuführen und nachzubereiten, bedeutete für unsere Abteilung einen enormen Kraftakt neben dem Tagesgeschäft.
Leider hat und das Wetter an diesem Wochenende einen großen Strich durch die Rechnung gemacht.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten

  • Die Flüchtlingshilfe ist in den letzten Jahren schnell gewachsen und dieses Wachstum wurde durch Projekte refinanziert, die befristet sind, aber auch Eigenmittel von bis zu 30 % einforderten. Nun ist es an der Zeit, dauerhafte und komplett refinanzierte Angebote zu platzieren. Dies erreichen wir, indem wir in 2019 in die Beratungsarbeit eingestiegen sind.
  • Die Wortschöpfung HerzZeiten löst wohl bei den meisten Menschen warme positive Assoziationen aus – und lädt zum Innehalten, In-sich-hineinhören ein.

Dieses Gefühl traf allenfalls zu Beginn des Jahres momentweise auf uns zu:

Auch 2019 war wieder ein Jahr, das von uns allen hohe Einsatzbereitschaft, Kreativität und viel Improvisationsvermögen abgefordert hat. Dafür meinen Dank an mein Team und alle Unterstützer unserer Arbeit, die man oft gar nicht wahrnimmt!

HerzZeitliche Grüße!