Jahresbericht 2019

Menschen in besonderen Lebenslagen

Bericht zum Gesamtfachbereich

125 Jahre Herzogsägmühle, 125 Jahre soziale Arbeit in und um Herzogsägmühle – erging es Ihnen in diesem "Feierjahr" auch so, dass Sie manchmal den Überblick über all die Feierlichkeiten und Festlichkeiten, Ausstellungen, Fachtage, Baumpflanz-Aktionen, Konzerte, Reden und Eröffnungen verloren haben? Was für ein dichtes und inspirierendes Jubiläumsjahr!

Im Fachbereich werden in Erinnerung bleiben vor allem unser Fachtag "125 Jahre Herzogsägmühle – ein nachdenkliches Jubiläum" zu dem wir im Mai dieses Jahres Politik, Verwaltung und Fachöffentlichkeit regional und überregionale zu uns nach Herzogsägmühle eingeladen hatten. Im Juli schloss sich erstmals eine völlig neue Entwicklung im Bereich der Wohnungslosenhilfen an, nämlich die Selbstorganisation betroffener wohnungsloser Menschen, die erstmals ein Wohnungslosencamp in Herzogsägmühle mit großem Zuspruch veranstalteten.

Den nachdenklichen Blick auf die dunklen Zeiten unserer 125-jährigen Geschichte, insbesondere auch in der Hilfe für wohnungslose Menschen, ermöglichte im November die Eröffnung des "Ort der Erinnerung" auf der Peitnachhof-Wiese zusammen mit Gottesdienst und Festakt zum Gedenken an die Opfer der NS-Gesundheitspolitik in und durch Herzogsägmühle – über 430 Menschen fielen dieser Politik hier bei uns von 1934 bis 1945 zum Opfer.

An dieser Stelle möchte ich allen Kolleginnen und Kollegen danken, die sich an den unzähligen Aktivitäten rund um unsere Jubiläumsfeierlichkeiten beteiligt haben, danke für all die Ideen, die Kreativität und vor allem die Tatkraft, die so unvergessliche Momente ermöglicht haben. Vieles können Sie übrigens nochmal nach erleben über unsere digitalen Angebote im Internet, gerade in YouTube und Instagram sowie auf Facebook finden sie Filme, Bilder und Texte in vielfältiger Ausgestaltung zu unserem Jubiläumsjahr "125 Jahre Herzogsägmühle" – Sie brauchen dazu auf der Herzogsägmühler Webseite nur auf die entsprechenden Symbole zu den Angeboten am unteren Rand der Webseite klicken, Sie müssen keinen eigenen "Account" haben.

Bewegung im Fachbereich haben aber nicht nur die Feierlichkeiten in diesem Jahr bewirkt, auch fachlich haben sich einige grundsätzliche Veränderungen aufgetan. Zum einen durften wir mit der Übertragung des Integrativen Pflegeheims in Herzogsägmühle viele neue Kolleginnen und Kollegen im Fachbereich begrüßen. Die ganz besondere Pflege im Herzogsägmühler Pflegeheim passt gut zu den Bedarfen, die wir im Fachbereich für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten kennen. Gab es in der Vergangenheit schon eine enge Verbindung, da viele ältere Bewohner unseres Fachbereiches in das Integrative Pflegeheim zogen, so ist jetzt durch die Zusammengehörigkeit in unserem Fachbereich eine noch engere Koordination der Hilfeangebote in der letzten Lebensphase möglich. Toll, dass der Umzug und der Übergang in unseren Fachbereich so gut geklappt hat; wie gut die neuen Kolleginnen und Kollegen bei uns im Fachbereich angekommen sind, konnten wir schon eindrucksvoll auf unserem Fachbereichsfest MOVE im November erleben. Auch hier noch einmal ein Herzliches Willkommen allen neuen Kolleginnen und Kollegen!

Neben der Fortführung der Pflegeangebote in Herzogsägmühle haben wir auch die Neukonzipierung der Pflege in Herzogsägmühle 2025 mit übernommen und im Herbst die notwendigen Arbeitsgruppen dafür begonnen. Bereits im Sommer 2020 werden erste Ergebnisse vorliegen müssen, die dann in Bauplanungen und dem Neubau einer Pflegeeinrichtung im Dorf bis 2024 Gestalt annehmen werden.

Auch fachlich hat sich im Jahr 2019 in der Wohnungslosenhilfe viel getan, insbesondere durch die Aktivitäten des Bayerischen Sozialministeriums mit dem Aktionsplan Wohnungslosenhilfe und der Stiftung Obdachlosenhilfe sowie mit dem damit verbundenen Runden Tisch Wohnungslosenhilfe im Sozialministerium. Nach langer und intensiver politischer Lobbyarbeit, insbesondere durch unseren Fachverband der evangelischen Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe in Bayern (FEWS) ist es jetzt möglich, die landesweite Infrastruktur zur Prävention und Hilfe bei Wohnungslosigkeit neu zu denken und auszubauen. Bereits in diesem Jahr sind knapp 30 neue Angebote in Bayern durch die Koordinatoren der Wohnungslosenhilfe Nord- und Südbayern ermöglicht worden. Diese Entwicklung wird sich in den nächsten 2-3 Jahren weiter fortsetzen. Das ist sehr gut für eine dezentrale, regionale und auf Prävention ausgerichtete Hilfe für Menschen in bedrohten Wohnsituationen. Für unsere stationären Hilfen in Herzogsägmühle ist es aber auch eine große Herausforderung, da der Bedarf nach zentralen stationären Hilfen in den nächsten Jahren zurückgehen wird. Was fachlich genau richtig ist, bedeutet für uns als Träger große Anstrengungen, gemeinsam unsere Hilfeangebote neu auszurichten. Dies tun wir bereits seit Jahren mit dem Aufbau unserer regionalen Hilfeangebote in Weilheim, Landsberg und im Ostallgäu, wir erweitern dies ab dem 1. Januar 2020 noch in den Landkreis Fürstenfeldbruck. Dabei wird es zukünftig weniger um zusätzliche Angebote gehen, sondern vielmehr um eine langsame und angemessene Verlagerung von Hilfeangeboten aus dem Standort Herzogsägmühle in die Regionen. Im Dorf Herzogsägmühle werden wir langfristig vor allem die hochspezialisierten Hilfeangebote sowie das Langzeitwohnen anbieten, in den Regionen mehr die Ambulanten- und Übergangsangebote.

Nach einem ausgelassenen Feier- und Jubiläumsjahr 2019 wird es im nächsten Jahr wieder mehr um die fachliche Weiterentwicklung unserer Hilfen gehen, mit viel Detailarbeit im Aufbau der Wohnangebote im Ostallgäu und Fürstenfeldbruck in den neuen Räumlichkeiten sowie dem Umgang mit den gestiegenen Anforderungen der Kostenträger in der Gewährung stationärer Hilfe.

In den Migrationshilfen werden wir uns verstärkt von Projekten hin zu Regelangeboten der Arbeit für und mit geflüchteten Menschen fortentwickeln.

Im Bereich der Pflege stehen interessante Themen, Diskussionen und Entscheidungen für die Neuausrichtung der Pflege in Herzogsägmühle an.

In diesem Sinne bleibt es spannend, wir sind als sozialer Träger auch nach 125 Jahren sehr gut unterwegs und ich freue mich auf weiterhin so gutes Miteinander im Fachbereich im Jahr 2020.

Andreas Kurz
Fachbereichsleitung