Jahresbericht 2018

Menschen in besonderen Lebenslagen

Betreutes Wohnen und Ambulante Dienste

Verselbständigung: Ziel mit "Schleife" erreicht


Herr Z. kam im Frühjahr 2015 nach Herzogsägmühle. Er hatte auf dem Weg zur Arbeit Hals über Kopf entschieden, dass es ihm nun reicht. Ohne Zögern steuert er den Bahnhof seiner Heimatstadt an und kaufte ein Ticket nach München. Spätere Diagnose: Burnout – überfordert durch die täglichen Anforderungen in seiner Arbeit und überschuldet aufgrund von Spielsucht und überzogenem Alkoholkonsum. Nach mehreren Tagen der Obdachlosigkeit wurde er vom dort tätigen Streetworker an Herzogsägmühle vermittelt.

Im Sommer 2015 erfolgte dann die Aufnahme bei den Nachgehenden Diensten in Landsberg. Nach drei Monaten im Clearing Herzogsägmühle war er wieder soweit sortiert und gesundheitlich "auf dem Damm", so dass der Einzug in ein Einzelappartement von Herzogsägmühle in einer benachbarten Stadt ein guter Schritt weiter auf dem Weg in die Selbständigkeit war.

Herr Z. arbeitete begeistert im Sozialkaufhaus Bill und leistete dort so gute Arbeit, dass die Kollegen ihn am liebsten gar nicht mehr gehen lassen wollten.

Anfang 2016 ist es dann aber doch soweit. Herr Z. findet über eine Zeitarbeitsfirma eine Tätigkeit im Logistiklager eines großen Lebensmittelmarktes. Auch dort wird Herr Z. bald als überaus zuverlässiger und jederzeit einsetzbarer Mitarbeiter und Kollege geschätzt. Keine Überstunde ist ihm zu viel und für keine Sonderschicht zu schade. Sogar während seines Urlaubs springt er für erkrankte Kollegen ein. Hinweise seines Casemanagers, dass auch er Pausen benötigt, um wieder aufzutanken, schlägt er in den Wind. Sein Ziel ist die Übernahme aus dem Zeitarbeitsvertrag in eine reguläre Anstellung - direkt bei dem großen Lebensmittelmarkt.

Ende 2016 klappt es - Herr Z. bekommt die Zusage, dass er übernommen wird. Im Januar 2017 hält er den neuen Arbeitsvertrag in Händen. Gleichzeitig ist er für seinen Casemanager kaum noch zu sprechen. Termine werden verschoben. Finanzielle Absprachen nicht mehr eingehalten. Herr Z. ist nicht mehr erreichbar. Nach mehreren abgesagten Hausbesuchsterminen kommen auch keine SMS mehr an. Sein Casemanager öffnet zusammen mit einer Kollegin die Wohnung, um dort festzustellen: Herr Z. hat die Stadt Landsberg verlassen.

Ein halbes Jahr später meldet sich erneut ein Streetworker aus München. Herr Z. sei bei ihm und lässt fragen, ob er wieder zurückkommen könne. Nach einem Gespräch wird eine Wiederaufnahme vereinbart. Um einer weiteren Wiederholung vorzubeugen, werden verschiedene Maßnahmen vereinbart:

  • Herr Z. begibt sich in ambulante therapeutische Beratung, um einem weiteren Burnout vorzubeugen.
  • Herr Z. nimmt wöchentliche Fixtermine mit seinem Casemanager wahr.
  • Gemeinsam mit ihm erarbeitet er einen Budgetplan, um seine Schulden zu begleichen.
  • Freizeitaktivitäten gehören fortan zum festen Wochenrhythmus von Herrn Z.

Nach einer kurzen Phase im Sozialkaufhaus BiLL erhielt Herr Z. gegen Jahresende 2017 wieder eine Anstellung über eine Zeitarbeitsfirma an seinem alten Arbeitsplatz. Herr Z. achtete nun auf seine Arbeitszeiten und auch darauf, dass sich keine Überstunden mehr ansammeln. Er nahm auch wieder Kontakt zu seinen Geschwistern in seiner alten Heimat auf und besucht diese regelmäßig. Über seine Arbeitskollegen fand er nun auch einen Bekanntenkreis, der sich außerhalb der Arbeit zu Aktivitäten trifft.

In diesem Jahr fand Herr Z. eine Wohnung in Landsberg und konnte sich so verselbständigen. Die Maßnahme wurde wie geplant zu Ende geführt und zur weiteren Betreuung noch eine ambulante Nachsorge installiert. Mittlerweile hat Herr Z. wieder eine direkte Anstellung bei seinem Arbeitgeber. Der aufgestellte Finanzplan wird in wenigen Monaten beendet sein. Dann ist Herr Z. auch wieder schuldenfrei.