Jahresbericht 2018

Menschen in besonderen Lebenslagen

Bericht zum Gesamtfachbereich

Sehr geehrte Leser und Leserinnen,

haben Sie auch noch diesen "großen Sommer 2018" und seine schier endlosen Sonnentage in Erinnerung? Gerne würde ich dieses Bild übertragen auf den vorliegenden Rückblick für das Jahr 2018 im Fachbereich Menschen in besonderen Lebenslagen. Tatsächlich aber haben wir als Fachbereich bildlich gesprochen eher ein stürmisches Jahr hinter uns, mit viel Gegenwind, schlechter Sicht und Gewittern.

Es begann schon zum Jahresanfang, als die seit acht Jahren durchweg sehr gute Belegung im Fachbereich plötzlich schwächer wurde und alle Gegenmaßnahmen nicht richtig griffen. Es beschäftigte uns viel die Analyse und die Ursachenforschung, die Kommunikation mit Kostenträgern und der Entwurf von fachlichen Alternativkonzepten. Nichts ist und war da einfach, wir sahen uns auch hier - wie in unserer fachlichen Arbeit - mit oft undurchschaubaren "Multiproblemlagen" konfrontiert, die es zu lösen galt. Zumindest erste Lösungsansätze sind gefunden, mit den Kostenträgern wurden Übergangsvereinbarungen getroffen, neue abgestimmte Leistungsvereinbarungen werden angepackt.

Eigentlich wollten wir im Jahr 2018 mit der Sanierung des letzten Bauabschnittes in der Wohnanlage Lindenhof, dem ehrwürdigen Haupthaus, diese langjährige Arbeit im Zentrum unseres Dorfes abschließen. Aber Gegenwind zog auf und wir wurden plötzlich mit den ersten Ausläufern des neuen Bundesteilhabegesetzes konfrontiert: vor einer möglichen Baufreigabe galt es, alle unsere im Baubereich vorhandenen Kräfte auf die Analyse unseres gesamten Immobilienbestandes zu konzentrieren und zunächst den Bestand für die Neuvereinbarung der Investbeträge mit dem Kostenträger vorzubereiten. Das ist nach vier Monaten geschafft, wir haben jetzt eine sehr gute Planungsgrundlage und konnten die Refinanzierung unserer neuen und sanierten Infrastruktur auf ein nachhaltiges Fundament stellen. Damit können wir 2019 die letzte Baumaßnahme in der Wohnanlage Lindenhof abschließen.

Dann wurde es ganz stürmisch. Frohen Mutes und voller Tatendrang nach den abgeschlossenen Leistungsverhandlungen mit dem Bezirk Schwaben für 30 stationäre Wohnplätze im Landkreis Ostallgäu, machten wir uns auf die Suche nach entsprechenden Immobilien in den Regionen Buchloe und Kaufbeuren/Marktoberdorf. Wir mussten jedoch eine Erfahrung machen, die wir seit 25 Jahren nicht mehr so erlebt hatten: Unser Vorschlag für ein "Haus der Diakonie" in Marktoberdorf mit zehn Wohnplätzen für Menschen in besonderen Lebenslagen, wurde mit Unverständnis und inhaltlichen Verzerrungen, unter Zuhilfenahme der Presse, bekämpft. Um Schaden von unseren Hilfeberechtigten, wie auch der Gesamteinrichtung Herzogsägmühle abzuwenden, wird fieberhaft nach Alternativen gesucht. Gemäß dem Wahlspruch "Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten und weitergehen" werden wir auch hier Lösungen finden. Denn, und davon bin ich zutiefst überzeugt, der Weg in eine Differenzierung und vor allem Regionalisierung unserer Hilfeangebote ist der einzig Richtige und wir haben schon viele gute Schritte auf diesem Weg getan. Den Gegenwind in auch politisch stürmischen Zeiten halten wir aus - die Sache unserer Nothilfen ist wichtiger.

So freuen wir uns, dass wir mit "Via Nova" und dem Projekt "Perspektive Plus" zwei neue Konzepte im Bereich Maßregelvollzug und der Arbeit mit jungen Erwachsenen in Betrieb nehmen konnten. Wir haben mit Volker Greiner und Anna Ottermann zwei sehr rührige und gute Nachfolgen in den beiden Abteilungen "Wohnen zur Stabilisierung" gefunden. Danke an die scheidenden Leitungen Norbert Barg und Helmut Halas - letzteren für 40 Jahre engagierte Mitarbeit in Herzogsägmühle! Auch haben wir unsere Struktur in den Regionen verändert, so dass ab 01.01.2019 mit den drei neu strukturierten Abteilungen "Regionale Angebote Weilheim-Schongau, Landsberg und Ostallgäu" alle jeweils örtlich zusammenhängenden ambulanten und stationären Angebote, sowie Beratungsstellen und Migrationsarbeit unter einer Leitung zusammengefasst werden. Unser Ziel, noch vernetzter und vor allem differenzierter in den Regionen arbeiten zu können, kommen wir so einen Schritt näher.

Und wissen Sie was - gerade in solch stürmischen Zeiten, wie wir sie in diesem Jahr erlebt haben, war es für mich einfach nur gut, in unserem Fachbereich wieder zu spüren, wie wir "zusammen unterwegs" sind.

Andreas Kurz
Fachbereichsleitung