Jahresbericht 2018 

Kinder, Jugendliche und Familien

Interview


Wir sind stark

Ende September haben zehn Jugendliche aus unterschiedlichen Wohngruppen der Jugendhilfe unter professioneller Anleitung durch die Organisation "music4kids" ein eigenes Musikstück geschrieben und vertont. Das Ergebnis ist nicht nur respektabel, es geht uns Mitarbeitenden echt unter die Haut.  Für uns der Grund, den Song im Jahresbericht zu würdigen und hinter die Kulissen zu schauen.

S.E.: Hallo Natasa. Danke, dass Du Dich bereit erklärt hast, das Interview mit mir zu führen. Ihr habt an einem Wochenende Ende September mit music4kids einen tollen Workshop in Herzogsägmühle durchgeführt. Das Ergebnis: ein professionell aufgenommener Song, für den Ihr gemeinsam Text und Musik geschrieben habt. Als ich das Stück das erste Mal gehört habe, war ich total beeindruckt. Ich hatte echt eine Gänsehaut.

Was hat Dich dazu motiviert, bei dem Workshop mitzumachen?

N.: Musik ist für mich Therapie, sie erfüllt meinen Tag, ich höre eigentlich ständig Musik. Ich muss sagen, als ich von dem Workshop gehört habe, war ich total begeistert. Ich hatte mich angemeldet, als ich noch in der Mädchen WG gewohnt habe. Kurz vor dem Workshop bin ich dann in die Verselbständigung umgezogen. Nach zwei Jahren in der WG war das'ne große Umstellung. Da hatte ich überhaupt keine Lust mehr auf diesen Workshop. Aber ich "musste" dann hingehen – das war mein Glück (lächelt).

S.E.: Du hast gesagt, Musik ist "Therapie" für Dich. Was meinst Du damit?

N.: Wenn es mir schlecht geht, habe ich eine Playlist, die ich dann nutze um mich zu motivieren. Musik holt mich runter, wenn ich aufgedreht bin, beruhigt mich. Es gibt eine Playlist für Zeiten, wenn es mir gut geht. Musik, die ich mag. Ich habe sogar eine Playlist für's Putzen.

S.E.: Wie war das an dem Wochenende? Du hast mit Jugendlichen zusammengearbeitet, die Du vorher nicht oder nicht gut gekannt hast.

N.: Ich würde sagen, es war sehr harmonisch an dem Wochenende, auch wenn wir uns kaum kannten. Die Chemie hat gestimmt, jeder wurde mit einbezogen. Wir hatten ein gemeinsames Ziel und ein gemeinsames Interesse. Es war auch gut, dass Johannes als Betreuer mit dabei war, weil er weiß, wie er mit uns umgehen kann. Ein Sicherheitsfaktor. Anders als der Mann von music4kids. Der hatte wohl mehr Erfahrung mit Jüngeren oder mit Hauptschülern. Und es war super, dass Catl für uns an dem Wochenende gekocht hat! Die Kürbiscremesuppe war lecker.

S.E.: Sind Deine Erwartungen an den Workshop erfüllt worden?

N.: Es ist gut, was Neues zu lernen und deswegen dort teilzunehmen. Ich kann mir etwas von Profis abschauen – das hat sich auf jeden Fall für mich erfüllt. Ich höre jetzt Musik anders als zuvor. Zum Beispiel weiß ich jetzt, wie die einzelnen Teile eines Songs zusammengesetzt werden und ich schätze Lieder wert, die mir vorher nicht so gefallen haben, weil mir klar ist, welche Arbeit dahintersteckt.
In Bezug auf Schreiben der Texte kamen gute neue Ideen. Im Team lässt sich ein Text schneller schreiben, ich brauche eine Woche bis ich einen halben Text habe, zusammen hatten wir den in ein paar Stunden fertig. Das war echte Kooperation. Jeder hat selber seinen Textteil geschrieben. Es gab eine Rapgruppe und eine Chorusgruppe. Von allen ist etwas in den Text eingeflossen.

S.E.: Wie gefällt Dir der fertige Song?

N.: Es gab die 1. Stufe - da war ich voll geplättet und voll stolz darauf, und in der 2. Phase war es mir fast peinlich. Ich glaube, man kann es noch besser machen, ja, mit dem Rückblick darauf.

S.E.: Erzählt Euer Song die typische Geschichte von Jugendlichen, die in einer Wohngruppe betreut werden?

N.: Nein, würde ich nicht sagen. Der Song ist sehr persönlich, keine typische Geschichte für Jugendliche aus der JuHi. Wir haben alle ganz unterschiedliche Geschichten, die lassen sich nicht über einen Kamm scheren. Jeder hat sein ganz persönliches Päckchen zu tragen. Dieser Song ist tatsächlich der Song derjenigen, die da mitgeschrieben haben.

S.E.: Würdest Du so ein WE noch einmal machen?
----- Du zögerst mit der Antwort….

N.: Ja, ich musste abwägen. Es ist egal mit wem man aus der JuHi zusammen sitzt, man kann mit allen etwas Produktives erreichen. Deswegen, ja, ich würde noch einmal an einem Workshop teilnehmen. Es hilft, Dinge zu überdenken, hilft Situationen aus einem Blickwinkel zu sehen – eine andere Perspektive einzunehmen. Ich würde auf jeden Fall auch allen Jugendlichen empfehlen, daran teilzunehmen. Workshops sind super. Vielleicht sollten wir als nächstes einen JuHi-Film zusammen machen, oder einen bunten Abend bei der JuHi-Vollversammlung, dann kann jede Gruppe etwas beitragen…

S.E.: Super Ideen. Der nächste Workshop mit music4kids steht an. Vielleicht finden wir auch jemanden für einen Film und es gelingt uns gemeinsam, für den bunten Abend zu motivieren. Herzlichen Dank, Natasa, für das Gespräch!

Das Interview führte Sabine Eichberg (SE)

Den Song "Wir sind stark" kann man auf dem Herzogsägmühler You Tube Kanal anhören: https://youtu.be/Akn1ov7ibB4