Jahresbericht 2018

Menschen in besonderen Lebenslagen 

Abteilung Hilfen für Flüchtlinge, Migration und Integration

Der Jahresrückblick unserer Abteilung ist dieses Jahr ausführlicher, da es viel zu berichten gibt und man über die Dimensionen unserer Hilfen wenig mitbekommt. Auch 2018 war ein rückblickend zehrendes und von großer Dynamik gezeichnetes Jahr.

Personal

Personell ist unser Team in der Unterkunft von ehemals zwei Bundesfreiwilligendienstleistenden auf nun einen geschrumpft; wir arbeiten damit mit sehr begrenzten Personalressourcen, die bei Personalausfällen wie Krankheit, Urlaub oder Bildungstagen (immerhin 25 pro Jahr für Bundesfreiwilligendienstleistende) im Tagesbetrieb heftig durchschlagen.

Weitere Veränderungen: Neu hinzugekommen im zweiten Halbjahr sind zwei weitere Projekte mit Flüchtlingsbezug und mit insgesamt 3.75 Stellenanteilen, wodurch sich unsere Abteilung in Herzogsägmühle um vier neue Kollegen erweitert hat. Darüber hinaus laufen auch Projekte mit Flüchtlingsbezug im Fachbereich Arbeit und Integration sowie in unserer Regionalstelle Landsberg unter dortiger fachlicher und disziplinarischer Führung.

Unterkunft

Wie auch 2017 ist die Stimmung der Geflüchteten mit Ablehnungsbescheid – diese stellen die Mehrheit im Landkreis – und der ehrenamtlichen Helfer weiterhin gedrückt. Die meisten abgelehnten Asylbewerber stehen immer noch im Klageverfahren und haben damit seit Jahren keine Klarheit, was ihre Zukunft betrifft. Zudem herrschen Bedenken und Unsicherheit über die weitere politische Ausrichtung der Asylpolitik in Bayern, auch nach den Landtagswahlen.

Im zurückliegenden Jahr hatten wir einen Bewohner, der an einem freiwilligen Rückkehrprogramm teilgenommen hat und mittlerweile wieder in seiner Heimat lebt. Trotz der belastenden Rahmenbedingungen klappt das Zusammenleben in der Unterkunft gut und es kommt unter den Bewohnern äußerst selten zu Konflikten. Diese können aber in der Regel gut moderiert werden. Die Zusammenarbeit mit der Ausländerbehörde im Hinblick auf die Unterkunft läuft auf Arbeitsebene gleichfalls sehr zufriedenstellend und unsere Ansprechpartner dort versuchen, unseren Wünschen mit hoher Dienstleistungsorientierung nachzukommen.

Deutschkurs

Auch in diesem Jahr war unser Deutschkurs wieder sehr gefragt. Mit Ausnahme der Ferien, mehrerer Brückentage und zwei Wochen unterrichtsfrei, fand der Deutschkurs an circa 180 Unterrichtstagen von 08:30 - 12:30 Uhr statt, an dem circa 30 Schüler über das Jahr teilgenommen haben. Die Nachfrage ist nach wie vor sehr groß. Ursache hierfür ist, dass in den Gemeinden, in denen Asylbewerber untergebracht sind, die durch Ehrenamtliche durchgeführten Sprachangebote stark zurückgegangen sind beziehungsweise eingestellt wurden. Zudem wurden für nicht anerkannte Asylbewerber staatliche Fördermaßnahmen in Bezug auf Sprache stark ausgedünnt.

Projekt "Flüchtlingsarbeit im ländlichen Raum"

Zum 01.04.2017 startete das Projekt "Flüchtlingsarbeit im ländlichen Raum". Ziel des Projekts ist es, Asylbewerber sowohl sprachlich als auch arbeitsmarktnah zu fördern im Rahmen von Coachings, Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen und Arbeitsgelegenheiten - und bei entsprechendem Potenzial in den ersten Arbeitsmarkt beziehungsweise in Ausbildungen zu bringen.

Neben durchaus vorzeigbaren Erfolgen ist es auch weiterhin ein Projekt mit großen Herausforderungen, da die Erteilung von Arbeitserlaubnissen stark von der Nationalität der Asylbewerber abhängt und sehr restriktiv gehandhabt wird. Dadurch wird vielen Projektteilnehmern der Weg in den ersten Arbeitsmarkt mit großen Hürden verbaut, bzw. eine Teilnahme am Projekt nicht möglich gemacht.

Diese Praxis in der Handhabung von Arbeitserlaubnissen hatte im zurückliegenden Jahr noch zusätzliche negative Auswirkungen auf die Motivation der Ehrenamtlichen in den Helferkreisen unserer Region, deren Anzahl deutlich geschrumpft ist. Erfreulicherweise wurden 2018 hier in Herzogsägmühle zusätzliche Ausbildungsplätze für Asylbewerber geschaffen, so dass mittlerweile vier Auszubildende im ersten und zweiten Lehrjahr eine berufliche Perspektive und damit Planungssicherheit finden konnten. Auch unsere Berufsschule übernimmt große Anstrengungen, die Integration von geflüchteten Menschen durch schulische Bildung zu fördern: Täglich besuchen mittlerweile 124 Menschen mit Fluchthintergrund die unterschiedlichen Schulangebote unserer Berufsschule.

Projekt DiVe

Im Dezember 2016 startete der erste von fünf Durchgängen des organisationsübergreifenden Projekts, in dem es um Diversity – auch im interkulturellen Kontext – geht. Im Oktober 2018 endete der dritte Durchgang. Das Projekt lief zum 31.12.2018 aus.

Projekt MENSCH.MACHT.HEIMAT

Zum 01.09.2018 nahmen drei neue KollegInnen die Arbeit in diesem auf zwei Jahre angelegten Projekt (Stellenanteil 2.75)  auf. Ziel ist es, junge Menschen zu erreichen, Haltungen zu reflektieren, Vorurteile abzubauen und Medienkompetenz im Hinblick auf Migration und Flucht zu entwickeln.

Wow!

Dieses Projekt ist zum 01.10.2018 mit einem Stellenanteil von 1.0 gestartet; es hat zum Ziel. Wohnraum für anerkannte Asylbewerber zu akquirieren, Kontakte zu Vermietern privater wie gewerblicher Art anzubahnen und Wohnkompetenzen zu vermitteln. Dieses auf drei Jahre angelegte Projekt ist auch dahingehend für unseren Bereich strategisch von Bedeutung, da wir im Idealfall damit gleichzeitig ein Wohn-Netzwerk für unsere Hilfeberechtigten in der Verselbständigungsphase schaffen können.

Sport

2018 ist es uns nach zweijähriger Vorarbeit gelungen, das Fußballprojekt Herzogsägmühle International mit dem SV Herzogsägmühle zu verschmelzen. Seit Anfang des Jahres nehmen circa 35 Spieler regelmäßig am Training teil. Die Trainingsgruppe setzt sich zusammen aus Bewohnern, Asylbewerbern, Mitarbeitern und Spielern aus Schongau. Erfreulicherweise hat kein Spieler, der bereits in den letzten Jahren für den Verein gespielt hat, sich durch die Veränderungen abschrecken lassen. Man kann sogar ganz deutlich ein weiteres Zusammenwachsen des Teams feststellen.

Inzwischen nimmt der SV Herzogsägmühle mit zwei Mannschaften am Ligabetrieb teil. Die erste Mannschaft hat dabei saisonübergreifend 20 Siege errungen und ist unangefochtener Tabellenführer. Auch die neugegründete zweite Mannschaft hat sich nach einer Eingewöhnungsphase gesteigert und liegt nach zuletzt vier Siegen in Folge auf einem hervorragenden 3. Tabellenplatz in der spielstarken Region Weilheim.

Das faire und respektvolle Auftreten des Teams trägt sicherlich positiv zu dem guten Ansehen der Migrationsarbeit im Landkreis bei.

Veranstaltungen

Ein Höhepunkt im zurückliegenden Jahr war das Fest der Einheit der Kulturen – mit kräftiger Unterstützung der Bewohner unserer Asylunterkunft. Anders als im Vorjahr war es diesmal eine Nachmittagsveranstaltung mit Kaffee und Kuchen und interkulturellem Wettbewerb um die beste Nachspeise. Wir hatten Bedenken, dass wir diesmal genug Besucher begeistern können, zumal die Besucherzahl im Vorjahr eingebrochen ist. Diese Bedenken waren nicht begründet: Die Deckerhalle war voll mit über 280 gezählten Besuchern und damit bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt!

Des Weiteren ist die Flüchtlingshilfe mittlerweile Stammgast mit zwei Ständen am Herzogsägmühler Weihnachtsmarkt (internationale Schmankerl und Tassen-/Textildruck).

Besondere Vorkommnisse

Am 28.08.2018 kurz nach Mitternacht kam es zu einer Sachbeschädigung der auf unserem Gelände befindlichen Containerunterkunft: Ein unter starkem Alkoholeinfluss stehender Hilfeberechtigter mit einschlägiger Vorgeschichte warf mit Pflastersteinen mehrere Scheiben der Unterkunft ein und beschädigte die Außentüre wie auch die Briefkastenanlage.

Ein zufällig vorbeikommender Hilfeberechtigter griff ein und verhinderte möglicherweise noch Schlimmeres. Die Polizei nahm den Täter noch am Tatort fest. Zum Glück entstand nur Sachschaden, für den sich der mittlerweile aus der Hilfe Entlassene unter anderem nun verantworten muss. Am folgenden Tag verbrachten wir viel Zeit damit, den Bewohnern der Unterkunft die Umstände der Tat zu erklären.

Zu unserer großen Überraschung nahmen die Betroffenen den Vorfall zwar ernst, entwickelten aber nicht weitere Bedrohungsängste. Ihnen – so die Rückmeldung – sei bewusst, dass im Sozialdorf Herzogsägmühle auch Menschen leben, die einen Hilfebedarf haben und sie bewerten diese Tat nicht als Vorbote aufkommenden Fremdenhasses.

Ein Unterstützungsangebot für Opfer rechtsextremer Gewalt in Bezug auf diesen Vorfall wurde von uns im Zuge dieser Vorkommnisse unterbreitet, jedoch nahm niemand von den Bewohnern der Unterkunft dieses in Anspruch. Dies zeigt auch, dass die Menschen mit Fluchthintergrund, die hier untergebracht sind, Vertrauen zu uns haben und als Teil der Einwohner von Herzogsägmühle sich grundsätzlich sicher und angenommen fühlen.

Zusammenfassung

Auch 2018 war wieder ein Jahr, das von uns allen hohe Einsatzbereitschaft, Kreativität und viel Improvisationsvermögen abgefordert hat. Ich bin daher meinem Team und allen Unterstützern unserer Arbeit, die diese täglichen Herausforderungen mit solchem Erfolg und Herzblut - ohne Klagen gemeistert haben, zu großem Dank verpflichtet!