Das Jahr 2019 - was wir bewegen wollen

Unser Jubiläum wird uns (hoffentlich) wunderbare Begegnungen und Erfahrungen bringen. Bereits veröffentlicht ist eine Festschrift besonderer Art. Statements des Direktors zu Sätzen wie "wofür wir dankbar sind", "was wir brauchen", "warum wir zornig sind" oder "worum wir beten" werden gegenüber gestellt zu Aussagen von Hilfeberechtigten. Wenn der Direktor darüber spricht, dass wir wohlmeinende Nachbarn und verständnisvolle Sozialpolitiker brauchen, sieht das ein Handwerker ganz bodenständig anders: "Was wir brauchen – anständiges Werkzeug".

Und auf die Frage "Was uns heilig ist" kommt einem Hilfeberechtigtem nicht, wie dem Direktor, die Menschenwürde aller Menschen unabhängig ihrer Einschränkungen, ihrer Herkunft und ihrer Biographie in den Sinn, sondern: "Mein Mittagsschläfchen!" Wunderbare Portraits der Menschen, die bei uns leben oder von uns begleitet werden, rahmen diese Texte ein. Am Wochenende um den 12. Mai (12.5. ist sehr passend für 125 Jahre!) wird Sport das Leben im Dorf dominieren: Ein Fußballspiel "Don Camillo gegen Peppone" (also Kirche gegen Politik) und ein Volkslauf über 1,25 km werden unser Herzogsägmühler Sportfest bereichern. Am 5. Juli erwarten wir hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft, die die Frage diskutieren: "In welcher Gesellschaft wollen wir leben?" – abgeschlossen wird dieser Abend durch einen Auftritt von Gogol und Mäx, den preisgekrönten Comedy-Akrobaten. An diesem Wochenende feiern wir auch das Dorffest mit einer Crossover-Fusion-Serenade am Samstag, 6. Juli. Und das dritte Highlight-Wochenende erwarten wir im Oktober rund ums Erntedankfest mit Streetfood-Festival, Herbstflohmarkt und Fest der Einheit der Kulturen.

Viele weitere Events warten auf uns, unter anderem kommt erneut Mathias Richling zu uns (Kabarettabend am 11. September) – lassen Sie sich über die Homepage und unsere Publikationen informieren und einladen!

Natürlich besteht 2019 nicht nur aus Feiern –gearbeitet wird bereits an der Sanierung und Umgestaltung unseres Dorfgasthauses "Herzog".

Mit der Marktgemeinde Peiting und einem örtlichen Bauträger versuchen wir, am nördlichen Ende des Ortes Herzogsägmühle 60 Wohneinheiten für Bürgerinnen und Bürger der Marktgemeinde, Mitarbeitende des Bauinvestors und Herzogsägmühler Bedarfe zu realisieren  – ein für das Konzept der inversen Inklusion außerordentlich bedeutsamer Schritt.

Der Auszug aus dem Förderzentrum soll zwei investive Schritte nach sich ziehen: Im Ort Herzogsägmühle soll an der Oblandstraße ein Neubau mit 24 Aufnahmemöglichkeiten entstehen, und in Weilheim planen wir den Aufbau von weiteren 24 Plätzen in einem neu entstehenden inklusiven Quartier. Für den Fachbereich Menschen mit Behinderung wäre diese Entwicklung ein bedeutsamer Schritt in die Zukunft.

In die frei werdenden Flächen des bisherigen Förderzentrums werden Büros des Fachbereichs einziehen; zudem kann die Kinder- und Jugendpsychiatrie sich räumlich erweitern und die Schule für Kranke kann dort ihr neues Zuhause finden.

Die Sanierung des Lindenhofes soll abgeschlossen werden mit dem letzten Bauabschnitt, der das in der Zeit des Dritten Reichs entstandene Gebäude der Wohnungslosenhilfe auf einen modernen Stand bringen wird.

Der Bau der Gemeinschaftsküche wird uns das gesamte Jahr 2019 begleiten.

Konzeptionell wichtig und von großer gesellschaftspolitischer Bedeutung ist die zweite Gemeinwohlbilanz, an deren Erstellung wir arbeiten. Der dafür erforderliche neue Gemeinwohlbericht soll bis Herbst zur Zertifizierung eingereicht werden. Der Bericht wird Auskunft geben über die "ethische Unternehmensbilanz" – wie gut gelingt es, die Werte der Gemeinwohlökonomie (Menschenwürde, soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und Transparenz/Mitarbeiterbeteiligung) im Unternehmen und gegenüber den Berührungsgruppen Geldgeber, Lieferanten, Mitarbeitende, Kunden und gesellschaftliches Umfeld zu leben und zur Geltung zu bringen?

Die erforderliche Rechtsformänderung hin zu einer gemeinnützigen GmbH "Diakonie Herzogsägmühle" wird Zeit und Arbeit kosten. Dieser Schritt beschließt dann die Phase von 1946 bis 2019, in der Herzogsägmühle unmittelbarer Teil des Vereins Innere Mission München – Diakonie in München und Oberbayern e.V. war. Unsere Geschichte erforschen und dokumentieren wir weiter im "Lernort Sozialdorf" und werden am Buß- und Bettag einen neuen Gedenkort eröffnen und den während des Dritten Reichs bei uns zu Tode gekommenen und deportierten Menschen gedenken.

Mit dem Schritt zur Lockerung der Verpflichtung, dass Mitarbeitende der Diakonie Kirchenmitglieder sein müssen, hat die arbeitsrechtliche Kommission der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung Rechnung getragen, dass das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen den Verpflichtungen des Staates zum Schutz vor Diskriminierung gegenübergestellt werden muss. Inhaltlich bedeutet das, dass die Zahl nicht konfessionell gebundener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zunehmen wird – und damit der Bedarf nach Schärfung des Diakonischen Profils (nach innen und außen!) zunehmen wird. Wir wollen dem ab Sommer 2019 mit einem eigenen Referat "Diakonische Unternehmenskultur" Rechnung tragen und dort auch die Themen Seelsorge, Gestaltung der Willkommenstage für neue Mitarbeitende und Führungskräfteentwicklung unter Berücksichtigung der Werte des Unternehmens platzieren.

Schließlich starten wir einen neuen Weg zum Innovationsmanagement: Ein neu zu gründendes Team von Mitarbeitenden aus allen Fachbereichen soll sich der Aufgabe annehmen, Hinweise aus der Belegschaft auf interessante Produktentwicklungen, best-practice-Modelle aus anderen Einrichtungen, neue Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung und Wirkungen aus der Digitalisierung wahrzunehmen und zu bewerten, inwieweit diese Innovationen für unseren beruflichen Alltag und unsere Aufgaben von Bedeutung sind. Wir versprechen uns davon die Gewissheit, dass wir sehr eng an den sich rasch wandelnden Gegebenheiten in der modernen Gesellschaft sein können und gleichzeitig die Ressourcen der jüngeren  Mitarbeitenden gut nutzen können. Ende 2020 werden wir diesen Versuch evaluieren und sind schon heute gespannt, in welchem Umfang und welcher Qualität soziale Innovationen für unser Unternehmen fruchtbar gemacht werden können.

Dass Sie uns dabei begleiten, gedanklich und im Gebet, dafür danke ich Ihnen herzlich!