Das Jahr 2018 – was wir bewegt haben

Wie wir es uns vorgenommen hatten, haben wir die Form der Beteiligung von Mitarbeitenden an der Unternehmensentwicklung weiter beraten und verfeinert. Mit den in 2017 erprobten "U-Labs" (internetbasierte Gesprächsforen, die neun wesentliche Zukunftsthemen von Herzogsägmühle bearbeiteten) war grundsätzlich eine sehr gut geeignete Möglichkeit gefunden worden, Mitarbeitende fachbereichsübergreifend und hierarchieunabhängig untereinander und mit den Verantwortlichen ins Gespräch zu bringen. Die gefundenen Arbeitsergebnisse bestimmten zusammen mit einer Studie "Wertewelten Arbeit 4.0" des Bundesarbeitsministeriums die Klausur der erweiterten Leitungskonferenz im Januar 2018.

Als wesentliche Ergebnisse wurden acht Themenbereiche identifiziert, die über das Jahr 2018 und bis ins laufende Jahr hinein in bereichsübergreifenden Themen-Treffen in der Leitungskonferenz weiter bearbeitet wurden und werden. Dabei geht es zum Beispiel um die Auswirkungen und Chancen der Digitalisierung, um das Wohnen und das Arbeiten der Zukunft, um die Dorfentwicklung und Lebensqualität im Ort Herzogsägmühle oder um Zugänge von Hilfeberechtigten zu unseren Angeboten.

Mit dem Bundesteilhabegesetz ist eine wesentliche, unsere Arbeit sehr stark betreffende Gesetzesnovelle im ersten Abschnitt 2018 in Kraft getreten; weitere Umsetzungsschritte sind in den Folgejahren vorgesehen. Unter einem klaren Ansatz der Personenzentrierung ist die bisherige Bevorzugung der "Hilfe aus einer Hand" und damit der Förderung von Institutionen weitgehend abgelöst – die Leistungen z. B. zum Lebensunterhalt, zum Wohnen, zur sozialen Betreuung und zur Arbeit werden gesondert erhoben, bewertet, bezahlt und evaluiert. Die Folgen davon sind in ihrer ganzen Tragweite bisher erst ungefähr abzuschätzen. Klar ist aber, dass wir für die Wohnangebote marktübliche Mietpreise werden ansetzen müssen; damit kommt der künftigen Trennung des Besitzes und des Betriebs von Immobilien eine neue, besondere Bedeutung zu. Diese Überlegungen führten auch, wie angekündigt, zu den Beschlüssen im Aufsichtsrat, mit der Vorlage der Jahresbilanz 2018 (wird für den Sommer 2019 erwartet) die Umwandlung von Herzogsägmühle in die "Diakonie Herzogsägmühle" (gemeinnützige GmbH) zu vollziehen. Der Besitz der Immobilien verbleibt beim Verein für Innere Mission in München, der Betrieb wird mit allen Mitarbeitenden durch die Diakonie Herzogsägmühle gGmbH erbracht. Die resultierenden Mietverträge werden die Grundlage der Refinanzierung für die Leistung "Wohnen". Gesondert sind die Hilfen zum Lebensunterhalt und die Betreuungsleistungen zu berechnen. Zwar geht mit dieser Gesetzesnovelle leider ein erheblicher Verwaltungsmehraufwand einher, jedoch werden die rechtssystematischen Vorteile als wesentlich bewertet.

Die bauliche Entwicklung blieb nicht stehen:

Noch in 2017 erhielten wir die Bau- und Maßnahme Genehmigung für den Neubau der Gemeinschaftsküche. Die Küche wurde nun in das Leistungsportfolio der Herzogsägmühler Werkstätten aufgenommen, dadurch wird eine umfangreiche Co-Finanzierung der öffentlichen Hand möglich. Leider sind die Planungskosten deutlich niedriger gewesen, als die nun vorliegende Hochrechnung nach den Ergebnissen der Auftragsausschreibung. Es zeigt sich eine derzeit außerordentlich überhitzte Entwicklung in der Baubranche. Dennoch konnten wir den Spatenstich feiern und erwarten nach der Fertigstellung eine deutliche Ausweitung des Umsatzes bei gleichzeitiger Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

Die Suchtkrankenhilfe freut sich über die begonnene und im kommenden Jahr abzuschließende Bautätigkeit in Oberobland. Es wird dort in freiwerdenden Räumen auch Angebote für künstlerisch und musikalisch aktive Menschen geben können.

Mit der Neugestaltung des Dorfplatzes wurde begonnen; es entsteht dort ein Brotbackhaus, das die Bürgerinnen und Bürger des Ortes – unabhängig davon, ob es sich um Mitarbeitende, deren Familienangehörige, neu zugezogene Dritte oder Hilfeberechtigte handelt – zusammenbringt, und zum Dorfmittelpunkt werden kann. Die Sanierungen der Jugendhilfegebäude wurden in Angriff genommen. In die dann 2019 fertigzustellenden Büroräume wird die Verwaltung des Fachbereichs Kinder, Jugendliche und Familien zusammen mit der Verwaltung der Kinderhilfe Oberland einziehen.

2018 erreichte uns der endgültige Bescheid der Heimaufsicht bei der Regierung von Oberbayern, dass unser Förderzentrum seinen Betrieb wegen geringfügig zu kleiner Zimmer in wenigen Jahren nicht weiter führen kann. Was ursprünglich wegen des geringen Alters der Immobilie (Bezug war 1998!) Kopfschütteln auslöste, bietet nunmehr auch viele Chancen; wir planen eine inklusive Lösung für die Menschen mit schwerer und mehrfacher Behinderung. (Siehe "Was wir 2019 bewegen wollen") Mit dem Neubau eines Wohngebäudes für die Sozialpsychiatrie mit der Zielgruppe "Doppeldiagnose" (seelische Erkrankung und kognitive Einschränkung) in Peiting konnten sehr ansprechende Wohnangebote in namhafter Zahl in Peiting geschaffen werden.

Mit dem Neubau der Mechanischen Werkstatt im Industriegebiet Peiting betraten wir historisches Neuland: Dies wird der erste Ausbildungsbetrieb sein, der nicht mehr im Ortskern Herzogsägmühle angesiedelt ist. Der Bau ist gut vorangekommen und wird so ausgestaltet, wie es die Auszubildenden und Anleiter zusammen mit den Architekten und einem Fachmann für Design und Raumgestaltung in Workshops erarbeitet haben. Die Werkstatt befindet sich unmittelbar neben der Industriehalle, in der die i+s Pfaffenwinkel GmbH zusammen mit den Herzogsägmühler Werkstätten Aufträge aus der Automotive-Industrie abarbeitet.

Schließlich haben wir uns umfassend und intensiv auf das Jubiläumsjahr 2019 vorbereitet. Die "streitbare Festschrift" ist in Zusammenarbeit mit einem Grafiker aus Peiting und vier professionellen Fotographen entstanden, ein Jubiläums-T-Shirt wurde bei VAUDE (Unternehmen der Textilbranche, das ebenfalls gemeinwohl- zertifiziert ist) produziert, ein Rabattheft für 125 Schmankerl aus Herzogsägmühler Produktion ist entstanden und zahlreiche besondere Events wurden in der Arbeitsgruppe vorgeplant. Wir sind gespannt, ob das, was wir gleich unter "Was wir 2019 bewegen wollen" an Veranstaltungen vorstellen, gut gelingen wird.