Jahresbericht 2017 Menschen in besonderen Lebenslagen

Teilbereich Berufliches Clearing und tagesstrukturierende Beschäftigungsangebote

Auf der Linie zum Ziel bleiben

Manchmal sagt ein Brief oder, wie in diesem Fall, eine Mail, die uns im Sommer 2017 erreichte, mehr als viele Worte. Wie üblich, wurden hier Namen von Personen oder Firmen geändert.  

Hallo Frau Z.,  
ich musste in letzter Zeit öfter an Sie denken, und hab mich daher entschlossen, Ihnen eine Mail zu schreiben, um Ihnen mitzuteilen, dass es mir derzeit gut geht, und ich nun kurz vor dem Abschluss im BFW stehe. Jetzt sind es ja doch schon fast 3 Jahre her als ich Herzogsägmühle verlassen habe und dank Ihnen die Chance bekam, einen Neuanfang in der Informatik und im Leben zu machen. Ich bin nun gerade im letzten Modul der Ausbildung und gerade im Praktikum bei der Firma Hightec. Im November habe ich meine schriftliche Prüfung und im Februar meine Projektabschlusspräsentation. Alles in allem habe ich mit dem Beruf meine Passion gefunden und bin auf bestem Wege.

Wenn da nur nicht das Problem mit der Wohnungssuche wäre. Da ich nach meinem Praktikum natürlich nicht bei meiner Mutter weiter leben kann und will, suche ich momentan vergeblich nach einer Lösung. Da ich weiß, dass Sie gute Kontakte im sozialen Bereich pflegen und durch Ihren Beruf  bestimmt auch Anlaufstellen für solche Fälle kennen, wäre ich sehr froh, wenn Sie mir vielleicht ein paar Tipps oder Ideen mit auf dem Weg geben könnten.

Bei der Stadt D. habe ich bereits einen Wohnungsschein beantragt. Allerdings stehe ich  dort auf einer sehr langen Warteliste, ohne Chance auf eine Wohnung bis Februar nächsten Jahres. Auch sonst ist es schwierig, mit einem Schufa-Eintrag eine Wohnung zu finden, welche höchsten 700 € warm kosten sollte, da ich natürlich meine Schulden, trotz Insolvenz, bei höherem Verdienst bis zu einem Freibetrag zahlen muss. Da ich bestimmt nicht der einzige in solch einer Lage bin, hoffe ich doch trotzdem, dass Sie eine Lösung parat haben. Wie so oft.

Mich interessiert ja aber auch, wie es Ihnen denn geht, und ob Sie noch am alten Ort arbeiten? Was alles so passiert ist in den drei Jahren, und was sich alles getan hat? Ob sie gute Mitbewohner und Arbeitskollegen haben, und das TAGWERK immer noch mit den Wohnbereichen korrespondiert? Bitte sagen Sie doch auch den anderen Kollegen ganz liebe Grüße von mir, und dass ich auch sehr dankbar bin für die Zeit mit Ihnen.

Anbei schicke ich Ihnen ein Foto von mir im Rechenzentrum und aus dem Urlaub. Wenn es hilft, können Sie natürlich auch den Mitbewohnern von meinem Brief erzählen, um Ihnen ein bisschen Mut zu machen. Auch wenn natürlich, trotz erfolgreichem Gang bis hier her, nicht alles einfach war und nicht einfach werden wird, bin ich trotzdem, durch täglichen Kampf, immer einen Schritt weiter voran gekommen. Und wenn man auch mal 2 Schritte zurückgehen muss, ist es mir immer wichtig, auf einer Linie mit einem Ziel zu bleiben.

Liebe Grüße
W.B.

Schön zu sehen, dass es Menschen schaffen, ihrer Zukunft Gestalt zu geben. Zu hoffen ist, dass Herr W.B. die Energie aufbringt, seinen Weg erfolgreich weiter zu beschreiten.