Das Jahr 2018 – was wir bewegen wollen

Viele Themen, die 2017 angestoßen wurden, werden wir in diesem Jahr weiterverfolgen. Zuallererst ist zu nennen die Verfeinerung und Modifizierung der Arbeit in Intranet basierten Foren. Wir haben nun Erfahrungen gesammelt: Welche Personengruppen konnten wir bisher sehr gut erreichen, welche weniger? Welche Mitarbeitenden können sich aufgrund ihrer Arbeitssituation und Arbeitszeit leicht einbringen, welchen fällt das schwerer? Sind neun parallel betriebene Themenräume nicht eigentlich zu viel? Und in welchem zeitlichen Abstand empfiehlt sich die reale, nicht nur virtuelle Begegnung? All diese Fragen werden uns in 2018 weiter beschäftigen – ebenso wie die Umsetzung der Vorschläge aus dem Auditbericht zur Gemeinwohlbilanz.

Mit dem Bundesteilhabegesetz ist eine wesentliche, unsere Arbeit sehr stark betreffende Gesetzesnovelle im ersten Abschnitt 2018 in Kraft getreten; weitere Umsetzungsschritte sind in den Folgejahren vorgesehen. Unter einem klaren Ansatz der Personenzentrierung ist die bisherige Bevorzugung der "Hilfe aus einer Hand" und damit der Förderung von Institutionen weitgehend abgelöst – beispielsweise die Leistungen zum Lebensunterhalt, zum Wohnen, zur sozialen Betreuung und zur Arbeit werden gesondert erhoben, bewertet, bezahlt und evaluiert. Die Folgen davon sind in ihrer ganzen Tragweite bisher erst ungefähr abzuschätzen. Klar ist aber, dass wir für die Wohnangebote marktübliche Mietpreise werden ansetzen müssen; damit kommt der künftigen Trennung des Besitzes und des Betriebs von Immobilien eine neue, besondere Bedeutung zu. Diese Überlegungen führen auch zur erneuten Prüfung, ob die Rechtsform der gGmbH für Herzogsägmühle dem Verein mittelfristig vorzuziehen sein wird.

Je nach Regierungsbildung und Koalitionsvertrag sind wir sehr gespannt, welche weiteren Gesetzesvorhaben unsere Arbeit in welcher Form verändern werden.

Die bauliche Entwicklung bleibt nicht stehen: Noch in 2017 erhielten wir die Bau- und Maßnahmegenehmigung für den Neubau der Gemeinschaftsküche. Die bisherige Küche wurde für mehr als 900 Essensportionen je Mahlzeit einfach zu klein, zudem ist die Dampftechnik veraltet und ökologisch in der bisherigen Form nicht mehr sinnvoll – und sich verschärfende Hygiene- und Zubereitungsvorschriften (die Zeit zwischen Herstellung und Verzehr der Mahlzeit ist inzwischen eng begrenzt) legten eine komplette Neuplanung nahe. Die Küche wird nun in das Leistungsportfolio der Herzogsägmühler Werkstätten aufgenommen, dadurch wird eine umfangreiche Cofinanzierung der öffentlichen Hand möglich.

Auch für unsere Suchtkrankenhilfe scheint nun die Realisierung des letzten Bauabschnittes zum Ersatz des über 100 Jahre alten Haus Obland möglich. Analog zu den in 2015 entstandenen ersten Ersatzappartements wird in Oberobland im kommenden Jahr ein weiterer Neubau begonnen, der alle Hilfeberechtigten aus dem bisherigen Altbau aufnehmen wird. Das dazugehörige, weiter unten im Ort liegende Obsthäusl ist baufällig, wir planen einen kleinen Ersatzbau auch für Kreativangebote. Den Dorfplatz wollen wir sanieren und aufwerten; unter anderem soll dort ein Brotbackhaus entstehen, das zum Dorfmittelpunkt werden kann.

Die Sanierungen der Jugendhilfegebäude werden wir in Angriff nehmen und schließlich auch mit dem letzten Bauabschnitt die komplette Neugestaltung der Wohnangebote in der Wohnungslosenhilfe am Lindenhof abschließen.

Mit dem Neubau der Mechanischen Werkstatt im Industriegebiet Peiting betreten wir historisches Neuland: Dies wird der erste Ausbildungsbetrieb sein, der nicht mehr im Ortskern Herzogsägmühle angesiedelt ist. Die Werkstatt befindet sich unmittelbar neben der Industriehalle, in der die i+s Pfaffenwinkel GmbH zusammen mit den Herzogsägmühler Werkstätten Aufträge aus der Automotive-Industrie abarbeitet.

Die in 2017 neu gegründete Gesellschaft "Bildung, Prävention und Krisenintervention" nimmt sich für den gesamten südbayerischen Raum des Auftrags an, für Menschen in seelischen Krisensituationen nicht nur zu den üblichen Öffnungszeiten der Sozialpsychiatrischen Dienste, sondern auch nachts und am Wochenende unmittelbar nach einem Notruf mit zwei Fachkräften vor Ort bei den Betroffenen Hilfe anzubieten – eine logistisch und fachlich hoch anspruchsvolle Aufgabe, die sich in den nächsten Jahren räumlich eher noch ausweiten wird.

Und so blicken wir bereits über den 31. Dezember 2018 hinaus: 2019 feiern wir unser 125 jähriges Jubiläum. Natürlich ist das ein Grund zur Freude und Dankbarkeit, für alles, was in dieser Zeitspanne wachsen durfte und Menschen zum Segen wurde. Gleichzeitig müssen wir wahrnehmen und ernst nehmen, dass nicht zu allen Zeiten unser Ort ein Ort der Hilfe und der Nächstenliebe war. Insbesondere in der Epoche des Dritten Reiches, aber auch noch in der Heimerziehung der 50er bis 70er Jahre, ist Hilfeberechtigten bitteres Leid zugefügt und Unrecht angetan worden. Unser Rückblicken und unser Ausblicken steht in dieser Spannung – Gedenken, Lernen und dankbare Freude. Mit zahlreichen Aktionen, kulturellen, sportlichen und sozialpolitischen Events wollen wir Akzente setzen – und das gilt es in 2018 gut und umsichtig vorzubereiten.

"Zusammen unterwegs" ist unser Jahresmotto 2018 – das ist nicht nur eine Verpflichtung für uns alle, die wir in einem Dienstverhältnis mit Herzogsägmühle stehen, sondern auch eine Einladung an alle Freundinnen und Freunde, Spenderinnen und Spender, mit uns in Kontakt zu bleiben – zusammen unterwegs als große Gemeinschaft, im Dienst des Nächsten. Danke, dass Sie uns die Treue halten und uns in Gebet und mit Rat und Tat begleiten.