Das Jahr 2017 – was uns bewegt hat

Das Jahr 2017 war geprägt von einem ganz grundsätzlich neuen Versuch der Mitarbeiterbeteiligung an der Unternehmensentwicklung. Ausgehend von der "Theorie U" des deutsch-amerikanischen Wissenschaftlers Otto C. Scharmer befassten wir uns mit der Frage, wie die "bestmögliche Verwirklichung von Zukunft" für Herzogsägmühle in einer sich wandelnden Inneren Mission München und vor dem Hintergrund wichtiger Gesetzesänderungen aussehen kann.

Unter Moderation eines Experten waren wir drei Tage im Kreis der erweiterten Leitungskonferenz in Schloss Hofen am Bodensee. Nach spannenden Beratungen und Übungen hatten wir beschlossen, in neun sogenannten U-Labs (intranet basierte Foren) zu den wichtigsten Zukunftsthemen zu beraten – und diese Foren für alle Mitarbeitenden zu öffnen.

Nach der technischen Einrichtung der Foren durch unsere IT-Auszubildenden diskutierten wir ab April 2017. Dabei erreichten wir letztendlich circa 450 mitlesende Kolleginnen und Kollegen und freuten uns über 230 geschriebene Beiträge. Themen waren beispielsweise Auftrag und Grenzen des Auftrags der Diakonie, das Thema Personalgewinnung und -bindung, Wohnen der Zukunft, die Frage des Zugriffs auf Daten von überall oder Wachstum/Postwachstum in Herzogsägmühle vor dem Hintergrund endlicher Ressourcen.

In zwei großen zusammenfassenden U-Lab-Meetings trugen wir die Ergebnisse in den Foren zusammen und nahmen diese mit auf die Folgeklausur der Leitungskonferenz im Januar 2018. Die von den Mitarbeitenden formulierten Zukunftsziele sind nun sehr gute Grundlage für die Weiterarbeit im vor uns liegenden Jahr, hier im Bericht Öffnet internen Link im aktuellen FensterDas Jahr 2018 - was wir bewegen wollen.

Zwei weitere außergewöhnliche Höhepunkte des Jahres sind zu berichten: Zum einen gab sich die Innere Mission München e. V. (unser Trägerverein) eine neue Vorstandsstruktur: Für den neu geschaffenen Vorstandsbereich "Finanzen und zentrale Dienste" wurde der bisherige stellvertretende Direktor aus Herzogsägmühle und Leiter der Herzogsägmühler Werkstätten, Herr Diplom Kaufmann Hans Rock gewonnen. Er ist ausgewiesener Experte in Fragen der Entgelte, der wirtschaftlichen Steuerung und des Controllings. Erstmals arbeiten die beiden Geschäftsbereiche München und Herzogsägmühle damit in einem wichtigen Arbeitsfeld übergreifend nach einheitlichen Verfahren und Standards. Nach sieben Monaten Dienst von ihm dürfen wir hocherfreut feststellen: Er ist ein absoluter Gewinn für unser Unternehmen – und die inzwischen erreichte Größe der Inneren Mission München mit über 200 Millionen Euro Bilanzsumme rechtfertigt die Stärkung des kaufmännischen Know Hows unbestreitbar.

Zum anderen verfügen wir seit dem Sommer 2017 über eine extern zertifizierte Gemeinwohlbilanz. Die Anstrengungen aus den Jahren 2015 und 2016, die in den ersten Gemeinwohlbericht gemündet hatten, wurden nun belohnt – denn Herzogsägmühle ist nunmehr Pionier-Unternehmen der Gemeinwohlökonomie im Bereich der Freien Wohlfahrt in Deutschland.

Das fand naturgemäß auch in den Medien gebührende Beachtung: Nach Berichten in der Lokalpresse widmete die Süddeutsche Zeitung dieser Initiative einen umfangreichen Bericht, der wiederum das Bayerische Fernsehen in unser Diakoniedorf lockte – und am 7. November wurde der wunderbare siebenminütige Bericht über Herzogsägmühle und die Gemeinwohlökonomie ausgestrahlt. Diese Sendung steht noch bis Oktober 2018 online in der ARD Mediathek – falls Sie es noch nicht angeschaut haben: Das lohnt sich!

Direktor Wilfried Knorr wurde zudem einer von zehn Sprechern der deutschsprachigen internationalen GWÖ – und in dieser Funktion blicke ich auf viele bereichernde Begegnungen bei Kongressen, Tagungen und Veranstaltungen in anderen Einrichtungen der Sozialen Arbeit dankbar zurück. In Herzogsägmühle sind über 85 Mitarbeitende inzwischen in der Kontaktgruppe Gemeinwohlökonomie organisiert und helfen mit, die anfallende Arbeit zu bewältigen. Unter anderem geht es nunmehr um die Abarbeitung der im Auditbericht aufgezeigten Verbesserungspotentiale – insbesondere im Bereich ökologische Nachhaltigkeit bei Energieversorgung und Mobilität sowie Abfallvermeidung. Auch die angesprochene verstärkte Beteiligung von Mitarbeitenden an der Unternehmensentwicklung wird in der Gemeinwohlbilanz positiv bewertet werden.

Unsere Kooperation mit der Peter-Maffay-Stiftung, die wir 2016 begonnen haben, trägt auf Gut Dietlhofen sichtbare Früchte. Der ökologische Gemüseanbau mit unserem Know How funktioniert prima, wenn nun noch traumatisierte Kinder in der Stiftung betreut werden, kann auch die sozialpädagogische Kompetenz gewinnbringend eingebracht werden.

In der Hilfe für Flüchtlinge im Landkreis haben wir uns erfolgreich zusammen mit dem örtlichen Caritasverband, dem Diakonischen Werk Oberland und dem Landratsamt Weilheim um die Begleitung und Unterstützung der ehrenamtlichen Flüchtlingshelferkreise gekümmert. Das Integrationsprojekt "Flüchtlinge spielen bei uns Fußball" gewann zudem den Diakonie-Integrationspreis. Unser zweites Fest zur Einheit der Kulturen war mit 500 Besucherinnen und Besuchern ein voller Erfolg – den Fotowettbewerb "Heimat in der Fremde – fremd in der Heimat" gewann ein Beitrag aus Peiting, der einen farbigen Flüchtling zusammen mit einem bayerischen Freund beim herzhaften Biss in die Leberkässemmel zeigt.

Und auch unsere gesamten wirtschaftlichen und sozialen Aktivitäten im Landkreis wurden mit dem Standortföderungspreis "Standortprofi" ausgezeichnet.

Unsere Infrastruktur hat weiter gewonnen – zwei Bauabschnitte der Wohnanlage Lindenhof sind fertig geworden, das Casa Verde mit Sozialräumen für die Gärtnerei und Appartements für anerkannte Flüchtlinge sowie für Menschen mit Beeinträchtigungen ist fertig, das große Wohnprojekt des Fachbereichs Menschen mit seelischer Erkrankung an der Münchener Straße in Peiting ist eingeweiht worden, und die Jugendhilfe ist für die nächsten 36 Monate in ihr Übergangsdomizil bei unserem IT-Gebäude umgezogen, so dass die bisherigen Büro- und Wohnräume generalsaniert werden können. Bei der Beschäftigungsinitiative Landsberg ist die Erweiterung von Wohn- und Arbeitsangeboten in Betrieb gegangen und die Kinderhilfe Oberland hat sich um weitere zwei Einrichtungen erweitert.

Für den Lernort Sozialdorf sind die ersten digitalen Themenwege entwickelt worden: Besuchergruppen können nunmehr interaktiv digital angeleitet unseren Ort erkunden, spezielle bedeutsame Orte aufsuchen und die Geschichte und Gegenwart von Herzogsägmühle lebendig erkunden. "Heimat" und "Arbeit" waren die ersten beiden Themen, weitere werden folgen.

Schließlich hat der neugewählte Dorfrat seine Arbeit aufgenommen – Herzogsägmühler Bürgerinnen und Bürger, sowohl Mitarbeitende wie Hilfeberechtigte, nehmen kommunalpolitische Aufgaben an und werden selbstbewusstes Gegenüber für die Unternehmensleitung – eine Aufwertung des Dorfes und des Quartiers.

Und so freuen wir uns über alle sichtbaren Zeichen der äußeren und inneren Entwicklung unseres Dorfes und können dankbar sagen: 2017 war ein gutes Jahr!