Pressenotizen

22.09.2020 - Alter: 36  Tage

Politische Bildungsarbeit im ländlichen Raum – davon es braucht mehr!

Das politische Bildungsprojekt MENSCH.MACHT.HEIMAT. verabschiedet sich mit vielseitigen, frei zugänglichen Bildungsmaterialien für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit.

Nach zwei Jahren Projektlaufzeit, vielen Eindrücken, Begegnungen und Austausch endet das EU-Projekt MENSCH.MACHT.HEIMAT nun. Es war an die Diakonie Herzogsägmühle angegliedert und wurde aus Mitteln des Asyl-, Migrations-, und Integrationsfonds kofinanziert.

Seit September 2018 wurden im Rahmen des Projekts 90 Workshops an Schulen und Vereinen durchgeführt, im Juli 2019 eine dreiwöchige interaktive Ausstellung im interkulturellen Treffpunkt (iku) in Peißenberg gestaltet und diverse Großveranstaltungen, wie zum Beispiel die Organisation eines Auftritts des Münchner Buchautors und Rappers David Mayonga alias Roger Rekless im Rahmen des Schulfests des Welfengymnasiums Schongau organisiert.

Insgesamt wurden über 1000 Menschen direkt erreicht. "Obwohl wir in unserer Bildungsarbeit nicht in erster Linie auf Quantität setzen, so ist es doch gut zu wissen, dass wir auch auf dieser Ebene gut gearbeitet haben", so Susanne Seeling, pädagogische Mitarbeiterin im Projekt. Besonders die vielfältigen, interaktiven und kreativen Zugänge, die das Team stets verfolgt hat, haben die Bildungsarbeit von MENSCH.MACHT.HEIMAT. geprägt. "Sich im kreativen Handeln über wichtige gesellschaftliche Themen auszutauschen und in einen tieferen und nachhaltigen Handlungsprozess zu kommen, das war unser Ziel" so Nora Kühnhausen, ebenfalls pädagogische Mitarbeiterin bei MENSCH.MACHT.HEIMAT.

Zudem entstanden Kooperationen mit Bildungsträger*innen, um die angewandten Methoden und Erfahrungen nachhaltig verfügbar zu machen, so auch im Materialschuber für Lehrkräfte "heimat.elementar" der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildung, welcher voraussichtlich im Herbst 2020 publiziert wird, und in einer Materialbox des Nord Süd Forum München e.V..

"Politische Bildungsarbeit ist wichtig wie eh und je. Um Rassismus, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus vorzubeugen, müssen gesellschaftliche Themen, insbesondere mit Jugendlichen, offen thematisiert werden. Gleichzeitig sind viele Lehrkräfte und Pädagog*innen auch verunsichert, wie man im Unterricht einen Austausch darüber anregen kann. Mit den Bildungsmaterialien wollen wir dafür Hilfestellungen und Ideen an die Hand geben.", so Veronika Reiser, Mitarbeiterin im Projekt MENSCH.MACHT.HEIMAT.

Doch das Projekt hinterlässt mehr als Bildungsmaterialien und Erinnerungen an Workshops und Veranstaltungen. "In zwei Jahren kann einiges wachsen – neue Kontakte entstehen, Menschen begegnen sich. Ja, es bilden sich neue Netzwerke, die für eine kritische und demokratische Gesellschaft sehr wichtig sind. Eigentlich ist es schade, dass es jetzt aufhört – wir wären gerade, trotz Covid-19, an einem guten Punkt, um weiterzumachen", so Leonhard Martz, pädagogischer Mitarbeiter bei MENSCH.MACHT.HEIMAT.

Politische Bildung sollte gerade in ländlichen Regionen noch viel stärker gefördert werden, da ist sich das Team einig. Gerade in Zeiten, in denen gesellschaftliche Ungewissheit herrscht und es zu einem Gefühl von Kontrollverlust kommen kann, braucht es kritische politische Bildungsarbeit. Im besten Fall macht diese deutlich, dass es zwischen Richtig und Falsch immer viele offene Fragen gibt, und einfache Lösungen für komplexe gesellschaftliche Herausforderungen meist leere und dazu oft gefährliche Versprechen sind.

Um diese Philosophie auch nach der Projektlaufzeit zu fördern, verfasste das Team von MENSCH.MACHT.HEIMAT. eine Methodensammlung für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit, die auf der Projektwebseite unter www.menschmachtheimat.eu/material zum kostenlosen Download zur Verfügung steht. Die Sammlung kann in vielen Kontexten zum Einsatz kommen und inspirierende Impulse an die Bildungslandschaft geben.

Das Team von MENSCH.MACHT.HEIMAT. dankt allen Mitwirkenden am Projekt: "Den Schulen und Vereinen, die uns die Türen geöffnet haben, allen Menschen, die uns im Rahmen von Workshops und Veranstaltungen begegnet sind und mit denen wir sehr viel mit- und voneinander lernen durften."