Pressenotizen

13.11.2019 - Alter: 203  Tage

Zeichen setzen gegen das Vergessen!

Ein ORT DER ERINNERUNG zum Gedenken an die Opfer und Verfolgten der NS- Gesundheitspolitik in Herzogsägmühle - Eröffnung am 20. November 2019

Der im Bau befindliche ORT DER ERINNERUNG in Herzogsägmühle. Wanderer-Skulpturen vor dem historischen Gebäude Peitnachhof. (Foto Sabine Keyser)

Im Jahr des 125-jährigen Bestehens von Herzogsägmühle lädt der Lernort Sozialdorf Herzogsägmühle ein zu einer Gedenkveranstaltung und der Eröffnung des ORT DER ERINNERUNG. Für die Menschen, die unter der NS-Zwangsherrschaft zwischen 1934 und 1945 in Herzogsägmühle zu leiden hatten oder zu Tode kamen, wurde ein Gedenk- und Mahnort geschaffen. Dieser wird am Mittwoch, dem 20. November 2019, unter dem Beisein zahlreicher Ehrengäste feierlich eröffnet.

Ab 8:30 Uhr beginnt die künstlerische Performance "Erinnern braucht Namen" in der Martinskirche, in Kooperation mit der Evangelischen Fachschule für Heilerziehungspflege Herzogsägmühle. Um 10:00 Uhr findet der Festgottesdienst mit Michael Bammessel (Präsident der Diakonie Bayern) statt. Anschließend wird der Erinnerungsort eröffnet, mit Impulsen von Prof. Dr. Annette Eberle (Katholische Stiftungshochschule München-Benediktbeuern) und Andreas Schmidt-Tesch (Künstler). Um 12:00 Uhr werden die Gäste zu Ansprachen, der Vorstellung des Gedenkbuches, der Ausstellung "Im Abseits oder Mittendrin? 125 Jahre Herzogsägmühle" und einem Mittagsimbiss im Rainer-Endisch-Saal empfangen.

Der neu geschaffene ORT DER ERINNERUNG, museumspädagogische Umsetzungen und ein Gedenkbuch sorgen dafür, dass die Erinnerung an die Verbrechen aus der nationalsozialistischen Zeit in Herzogsägmühle lebendig bleiben, Information vermittelt werden und damit Zugang und Empathie für die Opfer ermöglichen. Die im Gedenkbuch zusammengestellten Portraits, wie auch die Nennung der bislang bekannten Verstorbenen aus dieser Zeit im öffentlichen Raum, sollen an sie und an ihr erlittenes Unrecht erinnern.

Der ORT DER ERINNERUNG, ein Ensemble aus Skulpturen und einem Infokubus, ist den Männern und Jugendlichen gewidmet, die während der Zeit des Nationalsozialismus in Herzogsägmühle Zwangsmaßnahmen ausgesetzt waren. Es soll daran erinnern, dass der Ort der Fürsorge zwischen 1934 und 1945 zu einer tödlichen Gefahrenzone für mittellose Wanderer und hilfsbedürftige Jugendliche wurde.

Im Kunstwerk "Weiterwandern oder Hierbleiben" werden Skulpturen zu sehen sein, symbolisch für die Menschen, deren Lebensweg in den Zentralwanderhof Herzogsägmühle geführt hat. Die wandernden Schattenfiguren sind die vielen Überlebenden. Für die Verstorbenen stehen die Schattenfiguren bewegungslos. Der Infokubus nennt die Namen der bekannten Menschen, die in Folge der Einweisung nach Herzogsägmühle ihr Leben verloren. Sie starben an den Lebensumständen, aufgrund von Vernachlässigung mangels Ernährung oder Pflege sowie medizinischer Versorgung, oder weil sie sich aus Verzweiflung selbst töteten. Viele überlebten die Überstellung in ein Konzentrationslager oder in eine Heil- und Pflegeanstalt nicht. Einige von ihnen wurden dort Opfer der Mordaktionen "Aktion T4" und "Aktion 14f13" oder der Hungermorde.

Herzogsägmühle stand von 1934 bis 1945 als Fürsorgeeinrichtung unter der Trägerschaft des Landesverbandes für Wander- und Heimatdienst (LVW.). Angegliedert an das Innenministerium diente der Wanderhof der nationalsozialistischen Gesundheitspolitik des "Ausmerzens". Das NS-Regime duldete keine sozialen "Minderleister". Arme Menschen wurden, wenn sie den Fürsorgeeinrichtungen zur Last fielen, als sozial minderwertig eingestuft und verfolgt. Während der elf Jahre des Bestehens des LVW. wurde Herzogsägmühle unter der Leitung des SA Mannes Alarich Seidler zu einer "Sammel- und Sichtungsstation" innerhalb eines Netzwerkes von Einrichtungen zwischen NS-Terrorapparat, Strafvollzug, Gesundheitsfürsorge und Psychiatrie. In dieser Zeit waren zwischen 10.000 und 12.000 Menschen der Zwangsfürsorge ausgesetzt. Mindestens 430 Männer überlebten den Aufenthalt in Herzogsägmühle nicht.

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Weitere Informationen sind zu finden unter:
https://www.lernort-herzogsaegmuehle.de/index.php?id=3280 und www.herzogsaegmuehle.de